Jörg Schuster

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Imageaus Heiligenhaus beendete seine Ausbildung zum Tischler im Sommer 2002 und nahm von 2003 bis 2004 am 20. Parlamentarischen Patenschafts-Programm teil. Für ein Jahr lebte, lernte und arbeitete er in Salt Lake City, Utah. Hier sein Bericht:
"Hi, how are you?" Das waren die ersten Worte, mit denen ich in New York empfangen wurde.

Mein Name ist Jörg Schuster, nach dem ersten Jahr als Tischlergeselle, mit 22 war ich mit dem PPP für ein Jahr in America.
Hinter der Abkürzung PPP verbirgt sich das Parlamentarische Patenschafts Programm.

Das PPP wurde 1983 als Teil der Jugendaustauschaktivität des amerikanischen Präsidenten in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Bundestag initiiert. Dieses Programm wurde aus Anlass der 300-Jahr-Feier der deutschen Einwanderung in die USA gegründet und soll die alte Freundschaft zwischen den USA und der Bundesrepublik Deutschland symbolisieren und bewahren.
Wie in jedem Jahr wird 60 amerikanischen College Absolventen und 100 deutschen jungen Berufstätigen aus technischen, kaufmännischen, agrarwirtschaftlichen und handwerklichen Berufen diese Möglichkeit gegeben - ein Jahr im jeweils anderen Land zu verbringen.
Organisiert und begleitet wird der Aufenthalt von der InWent (Deutschland) und CDS Inc. (USA).

Bevor es jedoch in den Flieger ging und ich für ein Jahr von meiner Familie und meinen Freunden Abschied nehmen musste, wurden wir während eines einwöchigen Seminars in Deutschland auf die Kultur und das Leben in den USA vorbereitet. Doch was uns keiner gesagt hatte, spürten wir dann am 05. August 2003, als wir in New York ausstiegen: Dort habe ich erst einmal einen dicken, schwülen Hitzeschwall mitbekommen. Obwohl es nicht sehr warm war (25°C), kam es einem vor wie 35°C oder mehr. Aber dieses Problem hat man in Amerika „gut“ gelöst: Alles ist klimatisiert, wirklich alles! Es mag zwar schön sein, jedoch ist der ständige Wechsel zwischen warm und kalt völlig unangenehm und man bekommt schnell Kopfschmerzen und eine Erkältung. Am Flughafen wurden wir zunächst auf Busse verteilt, die uns Richtung Manhattan fuhren.

Wer schon mal in New York gewesen ist, der kann wohl getrost den nächsten Absatz überspringen...

Ich weiß ja nicht, was Ihr für Vorstellungen von New York habt. Ich sage Euch: Es ist noch viel gigantischer, als Ihr es Euch vorstellen könnt. Ihr steht vor einem Hochhaus (skyscraper) - die haben nicht umsonst diesen Namen verdient – schaut nach oben und immer weiter nach oben. Und wenn Euch dann irgendwann der Nacken weh tut oder Ihr umge-fallen seid, dann habt Ihr das Ende (die Spitze) entdeckt - falls Ihr sie überhaupt sehen könnt! Denn es kann schon mal vorkommen, dass die „skyscraper“ in den Wolken verschwinden. Wenn nicht, dann hat man z.B. eine perfekte Sicht vom Empire State Building, sowohl tagsüber als auch bei Nacht. Zurzeit ist es das höchste Gebäude in New York (Manhattan). Und wenn Ihr schon mal die Gelegenheit habt, in New York (oder auch „Big Apple“ genannt) zu sein, dürft Ihr auch Wall Street, Rockefeller Center, Chrysler Building, 20th Century 1, Time Square und viele andere Sachen nicht verpassen. Um übrigens eine schöne Skyline-Ansicht von Manhattan zu bekommen, empfehle ich, mit der Staten Island Ferry zu fahren, die kostenlos ist. Mit ihr kommt man auch an der Statue of Liberty vorbei und kann schöne Fotos machen. Natürlich habe ich auch „Ground Zero“ besucht. Es war ein sehr merkwürdiges Gefühl!

Nach den Tagen in der Weltstadt ging es für mich dann nach Salt Lake City, meiner Heimat für das bevorstehende Jahr. Einen kleinen Zwischenstopp mussten wir noch in Dallas/Texas einlegen. Habe leider nicht sehr viel von der Stadt gesehen, außer von oben. Als ich dann in Salt Lake City (SLC) ankam, haben mich meine Gasteltern in Empfang genommen und in mein neues Zuhause gebracht: Ein typisches amerikanisches Haus. Der Stadtteil (West Valley City) besteht hauptsächlich aus Wohnsiedlungen und die Siedlung ist wohl recht neu. Es gibt hier kaum große Mehrfamilienhäuser; jeder hat seine eigene Residenz. Die Straßen sind bestimmt doppelt so breit wie in Deutschland. Kurzum eine der Siedlungen, wie man sie immer im Fernsehen gesehen hat.

ImageSLC ist ein Stadtteil mit ca. 200.000 Einwohnern und die eigentliche Innenstadt, auch Downtown genannt. Um SLC herum sind viele andere Stadtteile gelegen, wie eben z.B. auch West Valley City (WVC), wo ich lebe. Insgesamt hat die Stadt ca. 2.000.000 Einwohner, ist also ziemlich groß und dem entsprechend viel kann man hier erleben. Das Schönste aber ist die Lage: Alle Stadtviertel befinden sich inmitten eines riesigen Tals, rechts und links davon sind Berge. Am nördlichen Ende beginnt der Great Salt Lake, ein riesiger Salzsee, der so salzig wie das Tote Meer sein soll. In diesem See kann man – rein theoretisch – baden gehen. Aber das macht hier komischerweise niemand – außer den Touristen. Auf der rechten Seite liegen die höchsten Berge, die zu den Rocky Mountains gehören und wo alle Skigebiete sind. “Greatest Snow on Earth“ steht auf den Nummernschilder der Autos, und das kann ich nur bestätigen! Ab Oktober fängt es an zu schneien. Der Schnee bleibt von da ab bis Ende März oder manchmal länger liegen. Das war wohl auch ein Grund dafür, dass in Salt Lake City im Jahre 2002 die Winterolympiade ausgetragen wurde.

Im August fing dann der erste Teil des Programms an: Ein halbes Jahr Salt Lake Community College. Am College kann man neben Psychologie, Medizin und Politik auch Bowling, Snowboarden und Ballett belegen. Für jeden ist also etwas dabei. Ich persönlich habe mich neben zwei Carpentry- (Tischler-) Kursen, einer theoretisch der andere praktisch, für einen Computer Aided Design- (Technisches Zeichnen-) Kurs, einen Englischkurs und natürlich Sport entschieden. Der Unterschied zwischen der deutschen und amerikanischen Berufsausbildung ist, dass in Deutschland die theoretische Ausbildung und die praktische Ausbildung im Betrieb parallel laufen (sog. „Duales Ausbildungssystem“). In Amerika hingegen ist das College mit einer Fachhochschule oder Volkshochschule zu vergleichen, so dass hauptsächlich theoretisch unterrichtet wird. Die praktischen Fertigkeiten erhalten die Amerikaner erst später durch „learning by doing“.

Bevor jedoch der Unterricht losging, hatten wir ein kleines Einführungsseminar zusammen mit allen anderen internationalen Studenten. Und die kamen aus der ganzen Welt: Brasilien, Venezuela, Kenia, Senegal, Polen, Japan, Korea, China, Oman, Indien, Russland, Australien, Deutschland und ein paar Ländern, von denen ich bis dahin noch nie gehört hatte. Insgesamt waren wir rund fünfzig Studenten, die hier am Redwood Campus auf die 6.000 Amerikaner trafen. Leider gestaltete es sich als recht schwierig, mit den Amerikanern abends weg zu gehen, da viele einen Abendjob haben, um das College zu fi-nanzieren. Dennoch findet man immer Leute, die etwas unternehmen wollen. Vor allem gibt es sehr viele verschiedene Clubs am College, denen man unbedingt beitreten sollte. Allerdings darf man sich nicht erschrecken, wenn einem von den Amerikanern manch „komische“, aber doch völlig ernst gemeinte Frage über Deutschland gestellt wird: „Tragt Ihr da alle Lederhosen?“ „Ist Holland weit weg von Deutschland?“ (Meine Freundin kommt aus Holland, daher die Frage.) „Was? VW ist doch keine deutsche Automarke, oder?“

Meine Carpentry Kurse waren sehr interessant. Durch Gespräche mit meinem Lehrer habe ich sehr viel von der amerikanischen Weise Möbel zu bauen mitbekommen.
Der praktische Unterricht ist wie ein Maschinen Lehregang aufgebaut, nur dass man Möbel baut für ein Projekthaus das vom College gekauft wurde.
Man stellt sich ja Amerika immer als „modernes Land“ vor, jedoch waren die Maschinen in der Lehrwerkstatt schon rech alt, was sich dann auch an den Sicherheitsvorkehrungen bemerkbar machte.
Heimatliche Gefühle brachten dann schon die zwei neuen Formatkreissägen von Altendorf auf.

Meine „Schulzeit“ endete am 11.12.2003. Danach ging es erst einmal nach San Francisco (Foto oben) und Las Vegas und natürlich zum Snowboarden auf die Berge. Es blieb und bleibt also immer ausreichend Zeit für den „Spaß- Faktor“. Die Erfahrungen, die ich in der Zeit am College erlangt habe, und die Personen, die ich dort kennen gelernt habe, möchte ich nicht missen! Die Lehrer war anfangs etwas schwer zu verstehen, aber es ist erstaunlich, wie schnell man sich doch wieder an alles erinnert. Durch die Ausbildung in Deutschland hatte man keine Probleme, im Stoff mit zukommen und konnte sich so komplett auf die Sprache konzentrieren.

ImageImageAm 05.01.2004 habe ich dann mit dem zweiten Teil des Programms begonnen. Die Schreinerei, bei der ich nun arbeite, hat sich auf die individuelle Herstellung von Kirchenmöbeln spezialisiert und baut zudem Tore aus Holz für einen Garagentor- handel. Das Arbeiten macht Spaß, und wenn die Kollegen dann auch noch so gut drauf sind wie in dieser Firma, merkt man gar nicht, wie schnell die Zeit vergeht. Was mir mitunter Angst bereitet, sind jedoch die (nicht vorhandenen) Sicherheitsvorkehrungen an den Maschinen. Hier in Amerika gibt es wohl keine Berufsgenossenschaften, die sich um Sicherheit und Gesundheit der Angestellten kümmern. Man muss hier wirklich zweimal mehr aufpassen, dass einem nichts zustößt. Kopfzerbrechen bereiten mir nach wie vor die „Inches“, auch wenn ich diesbezüglich immer mehr Routine entwicklte. Ich habe mir aber alle Mühe geben, um die Amerikaner noch vom metrischen System zu überzeugen – vielleicht habt Ihr es dann irgendwann einmal leichter!?

Obwohl ich nun wieder arbeite, habe ich zugenommen. Meine Freunde von zu Hause machen sich, wenn sich mich via Webcam sehen, schon darüber lustig. Der Grund wird wohl das Essen hier sein. Es hat mich auch auf viele neue Geschmacksrichtungen aufmerksam gemacht: Hotdogs mit Chips und Schokomilch, Salat mit Erdbeer- Dressing, saurer Wackelpudding als Salat, salziges und buttriges Popcorn - und dazu dann jeweils Cola light! Verwundert hat mich außerdem, dass es hier kaum Aufschnitt wie Wurst oder Käse gibt. Auch das Brot ist ein Fall für sich. Dafür gibt es hier 4 Gallonen Milch und fünfzehn verschiedene Kellogg’s- Sorten. Meine Hostmutter macht sehr leckeres Essen, jedoch leider nur zum Wochenende. Oft gibt es daher Pizza und Sandwichs oder „left over´s“.


Ende Juni war dann auch der zweite Teil meines Aufenthalts vorbei und es begann der „Urlaubsteil“.

Bis Ende Juli blieb mir danach noch Zeit herumzureisen.

Am 25.-27. Juli ging es dann für ein Abschluss-Seminar nach Washington D.C. wo sich alle 100 PPP´ler, die in den USA verteilt waren, zum erstemal trafen.
Und am 28. Juli war dann auch schon alles vorbei und es ging zurück nach Deutschland.


Nun, wenn Ihr auch ein PPP´ler werden wollt, um ein Jahr lang Erfahrungen in den USA zu sammeln, dann bewerbt Euch. Informationen bekommt Ihr über, Handwerkskammer, Berufsschulen oder direkt unter www.inwent.org
Wenn Ihr noch mehr wissen wollt, dann guckt unter www.20ppp.de , oder schreibt eine Mail an
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Und - nur Mut, oder wie das Motto des 20. ppp lautete:

It's a Challenge !!!